Winzerhaus 20a

Im Juni 2025 wurden wir vom Museum mit der Teilrestaurierung des Fachwerks des Winzerhauses aus Sachsenhausen Gebäude 20a beauftragt.

Das Winzerhaus stammt aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648).

Es handelt sich um ein typisches Fachwerkhaus, in welchem die Fachwerkausfachungen mit gespaltenen Weidenruten ausgeflochten wurden. Im vorderen Gebäudeteil wurden in die Gefache innen anstatt Weidenruten 8cm dicke Bohlen eingesetzt. Man nenn dies Ständerbohlenbauweise. Auf der Außenseite werden die Bohlen mit kleinen Eichenkeilen bestückt. Diese erhalten dann einen Strohlehmbewurf.

Als das Haus 1988 im Museum wiederaufgebaut wurde, hat man den Lehmputz fataler Weise mit Kalk vermischt Durch den hohen PH Wert des Kalkes wurden Lehm und Stroh über die Jahre zersetzt, was den Abriss der Ausfachungen zur Folge hatte. Der Lehm hatte seine Struktur komplett verloren und war nicht mehr tragfähig. Der beschädigte Putz wurde sorgfältig entfernt und die Staken gereinigt, so dass sichergestellt war, dass kein Lehmstaub mehr vorhanden ist.

Danach ging es an den Wiederaufbau.

Ein Fachwerk ist ständig Wind und Wetter ausgesetzt und gleichzeitig ist der Schlimmste Feind des Fachwerkes Feuchtigkeit, die stehen bleibt.  Da der Putz im Gefache an den Fachwerkbalken immer abreißen wird, so das in dieser Schnittstelle Feuchtigkeit eindringen kann, bedient man sich eines Tricks. Man nutzt einen kapillaroffenen Schichtaufbau, damit die Feuchtigkeit schneller wieder austreten kann. Die Balkeninnenseiten wurden von uns daher zuerst mit Leinöl vorbehandelt. Da kalt gepresstes, rohes Leinöl besonders dünnflüssig und rein ist eignet es sich perfekt als Grundierung

Jetzt ging es an die erste Schicht Lehm. Wir haben uns für einen Strohlehm (Natur-Baulehm bis 5 mm, Sand 0-8 mm, Gerstenstroh bis 10 cm) entschieden. Dieser Strohlehm ist fetter eingestellt, das heißt der Lehm- und Strohanteil ist höher als bei einem Lehmgrundputz. Dadurch wird der Lehm plastisch bei der Verarbeitung und fest in der Erhärtung. Aber zuerst wurden die Staken mit einem sogenannten Mörtelschloß eingespeist und damit gesichert.

Nach dem Austrocknen der ersten Schicht, wurde mit dem gleichen Lehm eine zweite Schicht aufgetragen. So waren die Staken gut in den Lehm eingebettet. In der zweiten –Schicht wurde eine weitere Sicherheitszone eingebaut. Rings um den Lehm an den Balken entlang wurde eine Vertiefung von 2cm tief und breit eingebaut. Falls Wasser eindringt, wird der Lehm nicht aufgeweicht. Diese Vertiefung wurde mit einem Luftkalkmörtel verschlossen.

Als Deckschicht wurde von uns ein trocken gelöschter Kalkmörtel hergestellt. Hier handelt es sich um eine Jahrtausende alte Methode, zur Herstellung eines Luftkalkmörtels. Dabei wird Sand und Stückkalk (ungelöschter Kalk) in einem Sandbett, unter Zugabe von Wasser, abgelöscht. So entsteht dann ein wunderbarer Putzmörtel, der mit Hanffasern noch versehen wird. Diese Fasern bewirken die langsame Abgabe des Wassers an den Kalk und stellen gleichzeitig eine Armierung dar. Der Putz wird in einer Stärke von ungefähr 10-15mm auf den Lehm aufgetragen. Nach kurzer Zeit kann dieser mit einem Holzscheibenbrett abgerieben und in seine Form mit glatter Oberfläche gebracht werden. Dieser Putz, auch Kalkspatzenputz genannt, hat die Vorteile, dass er eine hohe Diffusionsfähigkit besitzt und Spannung sehr gut aufnehmen kann. Ein weiterer Vorteil ist seine Eigenschaft des Selbstheilungsprozesses. Durch die kleinen Kalkbrocken(Kalkspatzen) im Putz werden entstehende Risse wieder verschlossen.  Bei starker und direkter Sonneneinstrahlung ist es zwingend notwendig den Putz mit einem feuchten Leintuch zu kühlen, da dieser ansonsten verbrennt würde und zerstört wird.

Nach vier Wochen und der vollständigen Austrocknung des Systems wird dieses dann mit einer Reinsilikatfarbe überstrichen. Witterungsbedingt musste das Streichen ins nächste Jahr verschoben werden.